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Forum Psychologie 2012

Das Forum Psychologie 2012 fand am 07. Dezember 2012, 17 bis 21 Uhr im Haus der Psychologie, Berlin, statt.

„Bauchentscheidungen – Einfachheit als Schlüssel zu einer komplexen Welt“

Ein Rückblick auf das Forum Psychologie der Landesgruppe Berlin-Brandenburg 2012

Mehr als 50 Mitglieder der Landesgruppen Berlin-Brandenburg und Mitteldeutschland und Gäste haben kurz vor dem zweiten Advent im HdP einen hochinteressanten Abend erlebt. Eröffnet wurde unser diesjähriges Forum mit einem Vortrag der Kollegin Tanja Schuck aus Leipzig (Vorstandsmitglied der LG MDL) über Sportpsychologie. Frau Schuck bot uns einen kurzen, sehr kompetent vorgetragenen und fundierten wie auch persönlich gefärbten (sie war selbst erfolgreiche Hochleistungssportlerin) Überblick über dieses spannende Gebiet einer „Bindestrich-Psychologie“ mit den Möglichkeiten und Grenzen für praktisch tätige Psychologen sowie einem Ausblick für Weiterentwicklungen, u. a. die Gründung eines AK Sportpsychologie im BDP. Der Vortrag selbst wie auch die folgende Diskussion und Resonanz ermunterte uns, dieses Thema in einer Extra-Veranstaltung aufzugreifen.

Nach einer kurzen Pause wurde uns von Dr. Wolfgang Gaissmaier zum eingeladenen Thema „Die Kunst richtige Entscheidungen zu treffen“ ein fundierter, lebendiger und äußerst interessanter Vortrag unter der Überschrift „Bauchentscheidungen – Einfachheit als Schlüssel zu einer komplexen Welt“ geboten. Das Thema Entscheidungsfindung ist eines der Forschungsschwerpunkte der Arbeitsgruppe um Prof. Gigerenzer am Max-Plank-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Prof. Gigerenzer wurde 2012 mit dem Deutschen Psychologie Preis ausgezeichnet.

Herr Dr. Gaissmaier, leitender Mitarbeiter o. g. Arbeitsgruppe, erläuterte aktuelle Forschungsergebnisse und Erkenntnisse zur Entscheidungsfindung mit praktischen Beispielen und stellte sich den Fragen des Publikums.

So wurde eindrucksvoll und überzeugend dargelegt, wie Ignorieren von Informationen zu besseren Entscheidungen führen kann, wenn dies auf der Grundlage von Experten-, Erfahrungswissen beruht, wie Intuition dazu beiträgt, die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche zu konzentrieren und wie Entscheidungsfindung u. a. dadurch gefördert wird, wenn man die wichtigen Gründe kennt und so in der Lage ist, unwichtige Informationen auszublenden. Damit wurde die Intuition nicht nur als Alltagserfahrung und in ihrer Seriosität gewertschätzt, sondern auch mit Vorurteilen aufgeräumt, etwa dem, dass allzu oft auch mit geschlechtsspezifischen Zuschreibungen (Intuition weiblich, Ratio männlich) die Intuition abgewertet wird und sich einer empirischen Untersuchung entzieht.

Der Referent brachte beeindruckende Bespiele für empirische Untersuchungen zur Thematik aus verschiedensten Bereichen mit: das effektive Auffangen des Balls im Baseball, Entscheidungsheuristiken in der Diagnosefindung, Medizin und Pflege, Entscheidungen an der Börse.

Was aber ist Intuition? Benjamin Franklin hat Intuition als „moralische Algebra“ bezeichnet. Damit wäre Intuition so etwas wie ein innerer Kompass, der letztlich eine Entscheidungsfindung leitet und ermöglicht.

Wenn aber kein Expertenwissen vorhanden ist, was sind dann die Strategien der Entscheidungsfindung?

„Setze auf das, was Du kennst“, ist eine Möglichkeit, die auch als „ökologische Rationalität“ bezeichnet werden kann. Dabei findet ein Zusammenspiel aus Ignoranz und Halbwissen statt.
Eine weitere ist das „Vergessen“ von Fakten, Möglichkeiten, Optionen etc. Dies ermöglicht unwichtiges auszublenden und damit die Entscheidungsfindung zu fokussieren. Auch hierfür bot Dr. Gaissmaier überheugende Forschungsergebnisse wie etwa dem, wie Testpersonen aufgefordert wurden, Erdnussbutter ohne Produktnamen zu bewerten. Die Ergebnisse waren beeindruckend. Die Bekanntheit wurde nun geschmeckt, allerdings nur da, wo sie draufstand. Erfasst wurde dies durch den Vergleich einer ersten und der zweiten Runde. Dabei traten z.T. völlig gegensätzliche Bewertungen auf.

Daraus folgt das Prinzip: setzte auf das was Du kennst. Aber – dies kann auch in die Irre führen.

Zusammenfassend zeigt sich:

•    Ignorieren von Informationen kann zu besseren Entscheidungen führen,
•    Begrenzen der Auswahl kann Entscheidung erleichtern,
•    Weniger Nachdenken kann bessere Entscheidungen bringen
•    Vergessen ist nützlich.

Zum Schluss des Vortrags wies Herr Dr. Gaissmaier darauf hin:

Wenn in einer schwierigen Entscheidungssituation jemand ein „schlechtes Gefühl“ ohne eine rationale Begründung äußert, dann ist es wichtig zu wissen, ob dies die Person mit der meisten Erfahrung ist, denn dann ist diese Äußerung sehr ernst zu nehmen.

Der Abend fand seinen Ausklang in einer langen Diskussion und hinterließ bei den Organisatoren das Gefühl, mit der Themenwahl des Forums Psychologie 2012 und der Einladung von Herrn Dr. Wolfang Gaissmaier eine gute Entscheidung getroffen zu haben, sowie den Eindruck, dass dieses Bauchgefühl von den meisten Teilnehmern geteilt wurde.

Annette Schlipphak & Dr. Karl-Heinz Becker